Route

1. Neuseeland 19.08.06 bis 15.11.06

Wir sind ueber Bangkok und Sydney nach Auckland geflogen, haben uns dort gute, gebrauchte Fahrraeder besorgt und sind dann in Richtung Norden aufgebrochen, da es dort im neuseelaendischen Winter nicht sehr kalt wird. Den Grossraum Aucklands haben wir mit dem Bus verlassen; ebenso ueberbrueckten wir auch auf dem Rueckweg die Millionenstadt. Die Kuestenstrecke von der Bay of Plenty zum Eastcape ist besonders reizvoll, weil duenn besiedelt und von wunderschoener, rauher Landschaft.

Bis nach Wellington sind wir mit dem Bus gefahren, haben dort Freunde besucht und sind dann mit Faehre und Zug nach Christchurch gelangt. Nach zwei Radtagen gegen den zu starken Foen haben wir frustriert die Canterbury Plains aufgegeben und sind wiederum mit dem Bus gereist. An den so gesparten Tagen haben wir Gebirgswanderungen auf den Routeburn- und Caples/Greenstonestracks unternommen, welche mehr als ein Trost waren.

Die Route von Queenstown an der Westkueste entlang bis Westport ist nahezu ueberall atemberaubend schoen. Von Westport gelangten wir ueber die spektakulaere Buller Gorge und einen Abstecher auf den etwas zu ueberlaufenen Abel-Tasman-Track nach Picton, wo unsere Radreise in Neuseeland endete.

Nach Auckland zurueck sind wir mit einem Mietwagen gefahren, haben im Tongariro National Park gestoppt, um im dichten Nebel leider keine Vulkane zu sehen.

Neuseeland

 

2. Thailand, 16.11.06 bis 14.12.06

Thailand war nur als Zwischenstation auf dem Weg nach Laos gedacht. Schon bald haben wir Land, Leute und das sehr angenehme Radfahren auf den gut ausgebauten Strassen so gemocht, dass wir unser volles 30-Tage-Visum erfuellt haben. Wir sind eine grosse Schleife ueber Chiang Mai und den aeussersten Norden des Landes bis zum Mekong-Grenzuebergang in Chiang Khong gefahren.

Zentralthailand ist topfeben; unser Stundendurchschnitt lag stets muehelos ueber 22 km/h. Sukothai und Si Satchanalei sind bedeutende historische Orte mit interessanten Tempelanlagen. Die Etappe nach Lampang wurde unsere insgesamt laengste mit 161 km, wobei am Ende zwei unerwartet lange und steile Anstiege auftauchten und wir so erst im spaeten Abendlicht die Stadt erreichten.

Heftiger Verkehr und unzaehlige Touristen erwarteten uns in Chiang Mai. Wir haben ein paar Ausfluege zum Bergkloster und zum Zoo unternommen, wunderbar gekocht und gegessen, tolle Maerkte besucht, die Raeder repariert, Waesche gewaschen, Internet- und Postdienstleistungen in Anspruch genommen. Bequeme Stadt fuer uns, aber nach ein paar Tagen sind wir auch gerne weiter gefahren.

Im Norden Thailands leben viele verschiedene Bergstaemme. Wir sind durch ihre schoenen Doerfer und Felder geradelt oder gewandert. Um dem illegalen Grenzverkehr beizukommen, hat die Regierung unzaehlige Strassen querfeldein in die Berge getrieben. Viele davon weisen unglaubliche Steigungen von mehr als 20! Prozent auf. Trotz Gepaeck sind wir nicht abgestiegen. Oben in Mae Salong abgekaempft aber sehr zufrieden angekommen, ueberholte uns ein belgisches Paar, welches aussah wie frisch geduscht oder als waeren sie mit dem Taxi hochgefahren.

Auf dem Weg zum Mekong haben wir einen Autor eines bekannten Reisefuehrers besucht, der uns aus seinem privaten Kartenmaterial eine Route durch viele kleine Doerfer zusammenstellte. Den Mekong haben wir spektakulaerer erwartet; er ist eine traege braune Masse, steil und meist unansehnlich in die Landschaft eingeschnitten.

 

3. Laos, 14.12.06 bis 11.01.07

Ein Boot setzte uns nach Houay Xay ueber. Von dort sind wir mit dem Bus eine 200 km lange Baustelle nach Luang Namtha gelangt. Wir haben pflichtbewusstere Radler getroffen, die diese staubige, loecherige Strecke mit dem Rad gefahren sind und wiederholt (ein wenig rechtfertigend) festgestellt, dass wir keinen Extremsport betreiben wollen.

Nordlaos ist von sehr armen Bergvoelkern bewohnt, meist haben ihre Doerfer keinen Strom und oft auch kein sauberes Wasser. Die schoene Landschaft ist eine Radreise immer wert, doch wir haben uns nicht richtig wohl gefuehlt, oft als Eindringlinge oder als Voyeure ihrer einfachen Lebensweise. Die Kinder kuendigten uns schon von weitem laut schreiend an: Falaaaaaang, Falaaaaaang, Falaaaaaang und winkten, dass ihnen die Arme abzufallen drohten. Manchmal haben sie uns die Berge hinaufgeschoben.

Wie aus dem Nichts ueberrumpelte und irritierte uns dann die Kulturerbestadt Luang Prabang, deren Zentrum sich mittlerweile fast ausschliesslich in der Hand der reichen, westlichen Touristen und ihrer Dienstleistungen befindet. Am Morgen des 24. Dezembers sind wir zu drei der schoensten Etappen unserer Reise aufgebrochen. Unglaubliche Paesse, beeindruckende Bergformationen, faszinierende Flusstaeler und die Begleitung durch sympathische Mitreisende waren uns ein sehr schoenes Weihnachtsgeschenk.

Mitten in Laos befindet sich mit der Stadt Vang Vieng eine Art Ballermann, dicht bevoelkert von entsprechend angenehmen Reiseklientel. Auf dem Weg nach Vientiane, wo wir ein stilles Sylvester feierten, stoppten wir am grossen Nam Ngum Stausee und schliefen dort auf einer Insel in einem mondaenen Urlaubsdomizil, wohl aber ohne Wasser und Strom. Wir haben uns in Vientiane kambodschanische Visa ausstellen lassen, um Vietnam im Sueden zu betreten und dann nach Norden fahren zu koennen, haben uns spaeter aber anders entschieden, da wir nicht noch durch ein weiteres fremdes Land reisen wollten.

Den gesamten Weg von Vientiane durch die Mekongebene und dann von der netten Stadt Savannakhet in Richtung Vietnam kaempften wir gegen starken Ostwind an. Die attraktive Strecke war gesaeumt von entfernten Bergen, steppenaehnlichen Plateaus und zahlreichen sich schlaengelnden Fluessen. Die Grenze zu Vietnam liegt auf dem Lao Bao Pass, den wir recht muehelos erklommen.

 

4. Vietnam, 11.01.06 bis 09.02.07

Genau dort befindet sich auch die Wetterscheide, die uns zum ersten Mal nach ueber zwei Monaten wieder Regen bescherte. Wir verspuerten wenig Lust auf die Hauptstrasse 1 und fuhren in den Ho Chi Minh Pfad ein. Von einem Tag in stroemenden Regen durch eine passenderweise mit Regenwald bewachsene und enge Flusstaeler umklammernde Berglandschaft erschoepft, konnte oder wollte uns niemand mit einer Unterkunft helfen. Nach endlosem Fragen im Ort nahm uns schliessliche eine nette Familie auf. Am naechsten Tag fuhren wir frustriert wieder zurueck zur Kuestenstrasse.

Die Kuestenstrasse 1 besitzt besitzt auf beiden Seiten breite Randstreifen, auf denen es sich eigentlich relativ gut Rad fahren laesst. Da dort von abgestellten Lastwagen ueber traege Wasserbueffel, vierreihig radelnde Schulkinder und schnelle Motorraeder die verschiedensten Geschwindigkeiten aufeinandertreffen, benoetigt das Fahren jedoch sehr viel Konzentration, sodass wir abends stets erschoepft und mit wenig Freude an weiteren Entdeckungen an unseren Zielorten ankamen.

Einige Kilometer vor Da Nang befindet sich der beruehmte Wolkenpass, der mittlerweile durch einen Tunnel ersetzt wurde – zum Leid der vielen kleinen Cafes auf der Bergspitze, deren Besitzerinnen sich regelrecht auf uns stuerzten, als wir vor ihnen aus dem dichten Nebel auftauchten. In Da Nang tauschten wir ein beschaedigtes Tretlager gegen ein vietnamesisches aus, welches sehr gut haelt. Suedlich der Millionenstadt fanden wir auf dem Weg in die ruhige und schoene Stadt Hoi An herrliche Sandstraende.

In der Hoffnung, dem stark befahrenen Highway 1 entrinnen zu koennen, liessen wir uns in einer fuerchterlichen Bustour wieder auf den Ho Chi Minh Pfad bringen, fanden dort dann aber eine ebenso kritische Verkehrslage vor, nur mit dem Unterschied, dass nun die Randstreifen fehlten und die Fahrbahnen der Strasse deutlich schmaler angelegt waren. Nach einem sehr erschoepfenden Radtag erreichten wir statt der mehrfach versprochenen Unterkunft nur die Hilfe der oertlichen Polizei, die uns mit dem Hinweis auf ein H5N1 Sperrgebiet mit dem Nachtbus weiterschickte. Wir entschieden uns, uns auch das restliche Stueck bis zur Kueste im Bus zu verbringen, von dort dann bis ins Strandparadies Mui Neh zu radeln und uns dort ein paar Tage zu erholen.

Nach Hanoi gelangten wir mit dem Zug, der unsere Raeder bequem im Gepaeckwagen befoerderte. Hanoi ist vollgestopft von Motorbikes, dennoch laesst es sich dort erstaunlich gut mit dem Rad fahren. Da der internationale Zug nach Peking keine Fahrraeder transportiert, verliessen wir Hanoi wieder auf dem Fahrrad in Richtung Nanning. Noerdlich von Hanoi nahm der Verkehr erheblich ab. Die etwas monotone Reisebene wechselte zu einer wunderschoenen Karstlandschaft und bot uns so noch einen versoehnlichen Abschied von diesem Land, mit dem wir uns nicht so richtig anfreunden konnten.

Nanning

 

5. China, 09.02.07 bis ca. 19.02.07

China begruesste uns mit einer Fortsetzung des Karstgebirges, mit ruhigen Strassen, freundlichen, zurueckhaltenden und aber doch neugierigen Menschen. Die Strasse nach Nanning ist anstrengend huegelig. In Nanning verschickten wir unsere Raeder per Zugpost nach Peking und reisen morgen hinterher.

 

6. Mongolei, Russland ab 19.02.07

Durch die Mongolei reisen wir zunaechst nur mit einem kurzen Zwischenstopp, planen im Fruehling eine Radtour von Irkutsk nach Ulan Bator. Was uns in Irkutsk und am Baikalsee erwartet … wir lassen es rechtzeitig wissen. Jedenfalls haben wir – entgegen unseres urspruenglichen Planes – die Raeder nicht in Vietnam gelassen und halten uns so die Moeglichkeit offen, von Moskau nach Berlin nicht mit dem Zug heimzukehren.

 

2 Kommentare to “Route”


  1. Kaum zu glauben, daß der sonnige Abschied an der Saale schon beinahe ein Jahr her ist. Ich wünsche Euch eine sonnige Rückreise mit viel Rückenwind;-)
    –ta

  2. Lillebror sagt:

    hallo jens – ganz liebe grüße aus dem harz – die nancy ist nach 8 monaten asien zurückgekehrt und hat mir auch von dieser website hier berichtet – sehr schön und sehr interessant – lieben dank für die karten aus neuseeland und thailand, habe mich sehr darüber gefreut – und alles gute nachträglich zum geburtstag ;-)