Neue Nachrichten aus Fernost

Weil es noch mehr Dinge gibt, die man mit einem Computer machen kann als froehliche Berichte zu verfassen ueber Angelegenheiten, die zumeist den eher kurzfristigen Selbstzweck des Verreisens behandeln, und weil Jens durch ausfuehrliche Zukunftsprogrammierungen fuer die notwendige Zaesur gesorgt hat, gibt es erst heute Neue Nachrichten aus Fernost.

Diese Themen werden ausfuehrlicher behandelt:

  • Was man ueber die Mongolei wissen muss
  • Der Munku Sardyk
  • Im Irkutsker Alltag
  • Weitere Reiseplanungen

Was man ueber die Mongolei wissen muss

Diese Ueberschrift ist einer Wissenschaftlerin entlehnt, welche die Vorlesung “Was man ueber Paedagogik wissen muss” zu einiger Beruehmtheit gebracht hat, sei es wegen des bescheuerten Titels, der wohl besonders Lehrerstudenten anwerben sollte oder auch wegen des Geruechtes, dass die komplette Vorlesung von einer anderen Vorlesung komplett geklaut wurde.

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Staedtchen in der Wueste Gobi

Die Mongolei laesst sich in drei grosse Staedte, in denen etwa 60% der Mongolen leben, und in Jurten der Steppe einteilen. Das Leben in Stadt und Land unterscheidet sich in vielfacher Weise. Die Hauptstadt Ulaanbaatar beispielsweise besitzt ein sehr weltstaedtisches Flair, sogar erheblich weltstaedtischer als Irkutsk (obwohl wahrscheinlich auch Cottbus weltstaedtischer als Irkutsk ist). In Ulaanbaatar ist alles international, weil alles importiert werden muss. Eine ulaanbaatarische Kaufhalle unterscheidet sich kaum vom Edeka in Halle. Es gibt Hallorenkugeln, Rot-Weiss-Zahnpasta, Juetrosenf und Kathi Backmischung.

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UB

Davon angelockt, ziehen immer mehr Landmongolen in die Staedte um, um dort einer westlichen Zukunft entgegenzusehen. Weil es jedoch in diesem industrie- und dienstleistungsarmen Land fuer die vielen meist auch unausgebildeten Zuwanderer nicht genug Beschaeftigung gibt, besteht ihre westliche Zukunft aus einem aermlichen Leben in einer Vorortjurte, Arbeitslosigkeit und Drogenmissbrauch. Einkommen wird durch Betteln oder gelegentliches Ueberfallen von Touristen generiert.

So traf es auch unsere Gastgeberin Stani, der, nur ein paar Tage vor der Abreise nach einem halbjaehrlichen Aufenthalt in der Hauptstadt, das Musikabspielgeraet entrissen wurde; darauf enthalten unter anderem 40 Stunden geprochene Reiseeindruecke eines ganzen Jahres. Sie und ihr Ehemann Richard verfolgen naemlich das besondere Blogkonzept, alles erst am Ende ihrer siebenjaehrigen Fahrradreise zu verschriftlichen. Insofern kann man eigentlich von Glueck im Unglueck sprechen, da dieses Vorhaben sicher noch einmal sieben Jahre Zeit kosten duerfte, und wenn die Reiseberichte dann nach 14 Jahren erscheinen, haben sich die Reiselaender so sehr weiter entwickelt, dass niemand sie mehr lesen moechte.

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Strassenverkehr und Verkehrsregeln ueberall

Erkennen die zugewanderten Landmongolen die Schwierigkeiten des Stadtlebens, ist es fuer sie schon zu spaet. Sie haben ihre Habe zurueck gelassen und koennen nicht wieder zurueck. Denn in der Steppe leben bedeutet, fuer sich selbst sorgen zu koennen, und das bedeutet Tiere zu haben, denn nichts in der Landmonogolei klappt ohne Tiere. Wir konnten auf unserer Reise durch die Gobi folgende wichtige Tiere ausmachen:

  • Gazelle
  • Yak
  • Geier
  • Adler
  • 2 hoeckriges Kamel (Trampeltier)
  • wilde Ziege
  • Pferd
  • domestizierte Ziege
  • Kuh
  • Schaf
  • Hund
  • Erdhoernchen
  • Gecko

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Tierliebe und Kamele

Folgende Gerichte haben wir probiert:

  • gesalzener Milchtee
  • Kamelmilchschnaps
  • vergorener Kamelmilchjoghurt (Ayrak)
  • getrocknete Quarkstuecke
  • Khaan Buuz (mongolische Pelmeni)
  • Hammelfleisch und Kamelfleisch
  • Gemuese gibt es nur fuer die Tiere.

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junge Mongolen

Die mongolische Landschaft ist unbeschreiblich beeindruckend, also beschreiben wir sie jetzt nicht. Ebenso die unbeschreibliche Freundlichkeit der Landmongolen: —. Im Uebrigen gruppiert sich alles Bedeutsame in der Mongolei um Dschingis Khaan, den Erfinder der Globalisierung. Die mongolische Wissenschaft leitet derzeit alles, was sie kann, aus dem Leben und den Lehren des grossen Helden ab und foerdert ein weniger auf Pluralismus aufbauendes mongolisches Selbst- und Nationalbewusstsein.

Munku Sardyk

Seitdem wir zurueck in Irkutsk sind, wohnen wir wieder bei Ljena, die eine tolle Bestimmerin ist. Wir bekomen regelmaessig gesagt, mit welchen Aktivitaeten wir unsere Tage ausfuellen duerfen. Ausserdem hilft sie uns gerne beim Schaelen der Kartoffeln fuer unsere Suppe und braet sie dann aber in der Pfanne, weil sie naemlich ploetzlich Bratkartoffen entschieden hat. Wohnen bei Ljena macht viel Spass und ist immer abwechslungsreich. Derzeit wohnt ein kleiner Hund im Hausflur mit. Obwohl Jens ihn schon mit Edelfutter eines deutschen Herstellers vewoehnen und versoehnen wollte, knurrt er ihn trotzdem beim Vorbeigehen stets an. Unter seinen Strassenkoeterfreunden ist er ein gemachter Hund, weil er es zu einigem Wohlstand gebracht hat. Die Hausbewohner lassen ihn bereitwillig hinein und heraus, und es liegen auch immer ausreichend Leckerbissen im Hausflur bereit.

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bei Ljena

Waehrend Jens mit seiner noch nicht ganz geheilten Hand in Irkutsk blieb, ist Uli am Maiwochenende mit Ljena und ihren Freunden ein Stueck nach Westen ins Tunka Tal an der mongolischen Genze gefahren. Dort findet man die hoechste Erhebung Ostsibirienens den Munku Sardyk, von dessen Gipfel in 3495m Hoehe man auf die mongolische Seite spucken muss. Jedes Jahr fahren hunderte irkutsker Menschen ueber den Feiertag am 1. Mai dorthin und verbringen einige Tage in Zelten und am Feuer im Schnee entlang es zugefrorenen Flusses, der einen dicht an den Gipfel bringt. Das wichtigste Wort, welches Uli in der Zeit dort gelernt hat, war Koschkas (Steigeisen). Koschkas heisst Katzen. Das reichte dann aus, um auf den Berg zu gelangen. Nach dem steilen und ein bisschen anstregenden Anstieg legten fast alle Russen den Abstieg in einem Bruchteil der Zeit zurueck, indem sie sich auf den Hosenboden setzten und die steilen Passagen im Schnee hinabschossen.

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Munku Sardyk, Ausblick von oben, Aufstieg/Abrutsch

Ljena ist nach zwei Tagen alleine zurueckgefahren, weil sie wieder arbeiten musste. Sie faende es gut fuer Uli, wenn sie noch vier Tage laenger in den Bergen bliebe, und so durfte Ui nicht mit.

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auf dem Weg zum Gipfel

Irkutsk

Nach der Rueckkehr vom Munku Sardyk war Irkutsk ploetzlich gruen und warm. Seitdem gibt es auch einige Strassencafes in Zeltform und noch mehr Menschen, die die Sonne geniessen und dabei ein Bierchen drinken. Wir haben jetzt auch schon fuenf Liter fassende Bierflaschen aus Plaste entdeckt.

Am 9. Mai wurde ein Feiertag begangen; es wurde der grosse Sieg (Pabjeda) im vaterlaendischen Krieg gefeiert, den man hier von 1941 bis 1945 durchfuehrte. Es gab zu diesem Anlass eine grosse Militaerparade, rote Nelken und viele schick angezogenene Buerger. Am Abend dann erfolgte noch ein Feuerwerk. Wir haben an diesem Tag extra nur russisch gesprochen, um die Volksseele nicht zu reizen.

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russischer Stolz auf Kruecken, tanzen, singen zum Pabjeda

Was auch noch passierte: Uli gab Kurse fuer Studenten der deutschen Sprache, Jens arbeitete am tollen Programm weiter. Seine Hand ist nun wieder radtauglich, wenn auch noch ein wenig steif. Die Fahrraeder haben eine Ueberholung bekommen und sind einsatzbereit fuer den letzten grossen Teil unserer Reise.

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schoene russische Motive

Weitere Reiseplanungen

Bevor wir am 30. Mai mit dem Zug gen Moskau aufbrechen, der auch unsere Raeder problemlos befoerdert, werden wir noch eine tolle Woche mit Jens Vater und Schwester am Baikalsee verbringen. Das Wetter soll gut werden.
In Moskau halten wir uns zwei oder drei Tage auf. Danach nehmen wir unseren vorerst letzten Zug nach Leningrad St. Petersburg und verlassen diese Stadt radweise. Entlang der Ostsee geht es naeher und naeher der Heimat. Elisa wird uns ab Tallin begleiten. Sie wird hoffentlich keine Probleme mit der Einreise ins russiche Archipel Kaliningrad bekommen. Wir jedenfalls haben dieses tolle Mehrfacheinreisevisum und duerfen das.

 

12 Kommentare to “Neue Nachrichten aus Fernost”


  1. Rainer sagt:

    Vielen Dank für die Eindrücke von Euch. Britta und ich werden also am 21. Mai in Irkutsk an-
    kommen. Wir werden uns überraschen lassen
    von Euren Betreuungsplänen.
    Bis bald.

  2. Johannes Artmeier sagt:

    und wünscht Britta und Papi eine gute Reise, vor allen Dingen “Happy landings” mit Аэрофлот und eine tolle Zeit mit Euch.

  3. Hallo Ihr Beiden. Schön von EUch zu lesen. Die Bilder sehen aus wie aus einer anderen Welt. Ich bin sehr gespannt auf den letzten Teil Eurer Reise.

  4. Jochen sagt:

    Hei,

    schön was von euch zu hören! In Heiligendamm ist bald G8-Gipfel und Globalisierungsgegnertreffen, ob die an Dschingis Khaan denken?

    Grüße
    Jo

  5. Wäre ich man doch mitgekommen! Dann hätte ich auch den Baikalsee gesehen. Hier ist nämlich absolut nichts mehr los.
    Nur noch Ruhe, Ruhe, Ruhe… .
    Dafür habt Ihr jetzt gebündelte Energie. Verbraucht sie gleichmäßig und gezielt.

  6. :D

  7. Johannes Artmeier sagt:

    und fragt Ingelore-Martina, ob Thore-Richard sich in’s Handgepäck von Papi oder bri geschmuggelt hat???

  8. upupa epops sagt:

    DAS SCHWARZE BRETT HALBERSTADT!
    Johannes hat vergessen zu informieren:
    SCHALKE 04 ist kein Dt. MEISTER geworden,dafür ist die HANSEKOGGE wieder im Oberwasser,was ja viel wichtiger ist,oder?
    MfG,der mit den Vögeln singt!

  9. Rainer und Britta sind wieder da mit vielen erzählenswerten Eindrücken vom Baikalsee.Es muss schon ein imposantes Land sein, wenn es gelingt, Rainer zum Laufen zu bewegen und er selbst eine gesunde Ernährungsweise bevorzugt. Rainer sieht aus wie der geheilte Patient.Jetzt ist er sogar wieder badeanzugtauglich. Noch zwei Wochen länger bei Euch, dann wäre sicherlich die Bikinitauglichkeit erreicht.

  10. Einen guten Aufbruch heute – mit der Freude im Bauch auf Neues und v.a. auf Radeln durchs Baktikum fällt der Abschied von Irkutsk sicher nicht schwer! Habt ihr auch genug zu Reiseverpflegung für euch und alle Mitfahrenden eingesteckt? Auf ein fröhliches Tauschen …

  11. britta sagt:

    16.42 uhr moscow time
    herzlich willkommen in europa!

  12. Viele Gruesse aus dem Eremitage Internetkaffee.
    Uli guckt sich alte Schinken an so irgendwas mit
    Gogh und Matisse oder auch olle Kruege aus Mittel-
    asien. Ich bereite mich auf ein Bier vor.
    Internet ist in St. Leninburg so teuer wie ein
    persoenlicher Hinflug, um alles vor Ort zu berichten.
    Ein Wort kostet 10 Rubel.