Дед Мороз и Больница

Ein Visum fuer einen laengeren Aufenthalt in Russland ist weder einfach zu bekommen, noch ist es preiswert. Man muss es im Heimatland fruehestens 50 Tage vor der geplanten Einreise beantragen. Mit doppelten Paessen, einer gewieften Schwester und ein paar geschickten Transaktionen zwischen asiatischen Hauptstaedten war es fuer uns ja ein regelrechtes Kinderspiel, ins Land der Iwane und Matroschkas zu gelangen. Vergleicht man das naemlich mit den Huerden, die der Visaregistrierung vor Ort in den Weg gestellt sind.

Zug nach Sibirien

Sibirien Sibirien

Sibirien Sibirien

Visa muessen inneralb von drei Tagen registriert werden. Normalerweise uebernimmt das Hotel diese Registrierung fuer den Zeitraum, in dem man dort verweilt. Weil uns jedoch fuenf Monate taeglich 100 Euro Miete (15000) fuer diese Amtshilfe zu teuer waren und im uebrigen derart lange Visa, wie wir sie haben, doch nicht vom Hotel registriert werden, blieb uns die befuerchtete Aemterprozedur nicht erspart. Uns zu Hilfe war gluecklicherweise Mascha, die uns schon in Peking zur Seite stand, als wir weder ein noch aus wussten und die wir just in einer aehnlichen Situation in Irkutsk wieder trafen.

Haeuser in Sibirien

Sibirien Sibirien Sibirien

Das russische Amt hat enge, dunkle, kahle Flure, in die sich die wartenden Menschen aus allerlei Nachbarlaendern hineinquetschen, nur wissend, dass sie hier sein, nicht aber, was genau sie nun machen sollten. Hin und wieder wird eine Tuer aufgerissen, ein russischer Drache verteilt Formulare an die erschreckten Umstehenden, bruellt ihnen in die fragend blickenden Gesichter, wie diese auszufuellen sind und verschwindet wieder in seiner Schreibhoehle, gefolgt von einer Welle unglaeubiger “Nje panimaju”-Bekundungen. Mascha navigierte uns durch diesen chaotischen Ort, an dem jede Bitte um Hilfe wahrscheinlich die Ablehnung eines Antrages zur Folge haette. Am Ende hielten wir ein paar Formulare in den Haenden, und mussten jetzt nur noch jemanden finden, der uns 6 Monate offiziell beherbergt. aber auch das war kein Problem. Irgendwie sind alle Russen, die wir bisher getroffen haben, anruehrend hilfsbereit.

Ueber unseren Hospitalityclub haben wir Ljena getroffen, die uns bei sich aufnahm und deren Wohnung wir nun fuer einen ganzen Monat uebernommen haben, weil sie nach Argentinien zum Tango tanzen geflogen ist. Ljena ist freundlicherweise unsere offizielle Gastgeberin bis zu unserer Abreise im Sommer. Gemeinsam mit ihr und unserem gekauften Woerterbuch, was zwar nicht weiss, was Trinkwasser heisst oder Abfahrtzeit, dafuer aber scheinbar jedes Amtswort zu kennen scheint, fuellten wir abends die Formulare aus. Am naechsten Tag musste die arme Ljena auch noch ihre Arbeit fuer uns unterbrechen, weil nicht wir sondern sie die Unterlagen beim Amt vorlegen sollte. Dann waren auch noch Daten falsch und wir hatten alles neu auszufuellen. Insgesamt brachten wir es nach drei Korrekturen auf 24 beschriebene Boegen.
Weil schliesslich an unserem Schalter die Schlange aus wartenden Gastmuttis und -vatis zu lang geworden war, wechselten wir zur Post, welche aus irgendwelchen Gruenden eine Visaregistrierung per Einschreiben erlaubt. Damit sind wir also nach drei Tagen Rennerei endlich anerkannte Russlandurlauber geworden.

Urlaub im sibirischen Winter

Sibirien Sibirien

Russland, wohl eines der groessten Laender der Welt, ist zebraartig mit elf Zeitzonen bescheckt. Wenn es in Wladiwostock zu tagen beginnt, geht die Sonne in St Petersburg noch unter. Die Befehle des Zaren Wladimir treffen nur mit Verspaetung in Irkutsk ein, denn Moskau ist weit. Der Bailkalsee ist tief und klar. Sein Wasser ist im Winter zu einer 80cm dicken Eisschicht gefroren, durch die man weit in der Tiefe noch den Grund erkennen kann. Das ist unheimlich, zumal das Eis unaufhoerliche dumpfe Groll- und Knackgeraeusche von sich gibt. Das Eis arbeitet, waehrend wir auf ihm urlauben. Je weiter vom Ufer entfernt, so droehnender und gefaehrlicher wirkt das Eis, wie ein rostiger Tanker im Sturm an die Kaimauer peitschend.

Am See

Sibirien Sibirien

Unbeirrt davon fuehren auf ihm Autostrassen zu Orten, die nur im Winter erreichbar sind. Angler hocken verstreut vor ihren Loechern, fangen den Omul, den leckeren Fisch, der ueberall gedaempft oder geraeuchert verkauft wird. Schlittenfahrzeuge, Spaziergaenger, Skifahrer huschen ueber die endlose glatte Flaeche und verschwinden irgendwo als kleine Punkte am Horizont. Erst im Mai wird das Eis des Baikals schmelzen. Dann wird eine andere Art von Leben am See erbluehen.

Auf dem See

Sibirien Sibirien Sibirien

Abend am See

Sibirien Sibirien Sibirien

Nach den Monaten in den exotischen asiatischen Laendern, finden wir in Russland wieder viel Vertrautes vor. Toiletten, auf die man sich setzten kann und nicht hocken muss, in Geschaefen erhaeltliche Milch- und Getreideprodukte, das Aussehen der Menschen, dass sich nicht mehr von dem unseren unterscheidet, die uns leichter fallende Verstaendigung oder einfach das etwas kuehlere Klima. Daneben erfreuen wir uns hier an Maerchenschokolade mit gestiefeltem Kater, an Haeusern mit aufgemaltem Ilja Muromez, an geduldigen Warteschlangen und huebsch eingerichteten Kaufhallen und Krankenhaeusern.

Markt und Maerchenschokolade

Sibirien Sibirien Sibirien

Die letzteren kennen wir naemlich schon ganz gut: Nach einem Sturz auf eine Glasflasche und einem aufgeschnittenem Handgelenk, musste Jens zwei Tage im Krankenhaus bleiben. Zwar haette er auch ambulant behandelt werden koennen, aber die Russen quartieren jeden sofort ein, am liebsten auch gleich fuer lange Zeit. Jens gefiel es dort ganz gut, die Einrichtung war schoen schlicht gehalten und das Essen war lecker. Um einmal taeglich kurz den Verband zu wechseln, haette der Arzt Jens gerne noch drei weitere Tage bei sich behalten. Die 500 Betten des Bezirkskrankenhauses muessen schliesslich ausgelastet werden. Auf Jens Bitte nach Entlassung zeigte sich der Arzt sehr besorgt darueber, dass uns sein Krankenhaus nicht gefallen koennte. Doch keineswegs, besonders die russische Operationsmethode hat es Jens angetan. Die hiesigen Aerzte gehen keineswegs zimperlich vor. Statt durch irgendeine Art Narkose wurde Jens durch Ansbettschnallen ruhig gestellt. Aber er hat es ueberlebt, und der Nerv waechst wieder gut zusammen. Verwunderlich war fuer uns die Tatsache, dass es in diesem riesigen Krankenhaus niemanden gibt, der wenigstens ein bisschen Deutsch oder Englisch sprechen konnte. Fuer die genaue Uebersetzung der Diagnose mussten wir unseren Russischlehrer Sascha mitbringen.

Aua w Bolnizje

Sibirien

Jens Arm ist fuer die naechsten zwei Wochen ruhig gestellt, und so haben wir statt Skifahren oder Eisuebernachtungen viel Zeit fuer Russisch lernen, Buecher lesen und Omaausfluege.

Wir

Sibirien Sibirien Sibirien

 

15 Kommentare to “Дед Мороз и Больница”


  1. Rainer und Inge sagt:

    Dobryj den,
    Hallo ihr Lieben,
    vielen Dank für den ersten Erlebnisbericht aus
    der neuen “Heimat”.
    Es ist doch schon sehr beeindruckend,
    wenn man Text und Bild zur Kenntnis nimmt.
    Daß es im Mai einfrei ist, kommt uns sehr gelegen.
    Bis bald. Inge und Rainer

  2. Heide, Alex, Fräulein F. & Konrad sagt:

    … am vormittag enttäuscht ohne Nachricht auf Koala Ute und Andreas in den Zug nach Jena gesetzt – und jetzt wird uns doch noch der Sonntagnachmittag versuesst (-:
    Gute Besserung fuer JEns Hand! Wir gucken ganz sehnsuchtsvoll auf eure tief verschneiten Skibilder und hoffen auf einen baldigen Bericht über Skiwanderungen und Eisangelerlebnisse auf dem Baikalsee.
    Derweile begruessen wir die Fruehlingssonne und sagen dem Winter ade…

  3. Ui das sieht aber kalt aus. Von den warmen Länder in die Kalten? Ich seh Euch schon wieder auf den Weg in den Süden. Hier wird es frühlingshaft und schön. Heute 16 Grad in Leipzig. Gute Besserung Jens!

  4. da hat einer einen schuh verloren

    [zum bild 1 der kategorie "auf dem see" a.d.mama]

  5. sehr schöne fotos! sehr schöner bericht!
    phänomenal, wie die schneebedeckten berge hinter dem see emporragen.

    ja, die russische bürokratie ist manchmal schlimmer als die unsere. hauptsache, ihr habt jetzt den stempel!

    eine antwort seid ihr den lesern noch schuldig: konntet ihr die chinesischen bahnhofsmitarbeiter “überreden”, eure räder mitzunehmen?

    Впрочем питьевая вода и время отправления.
    С сердечным приветом, Ваша сестра.

  6. Hallo Jens und Uli,

    ich finde Euren Bericht einfach toll, werde richtig neidisch. Hoffe auf eine gute Heilung der Hand und einen unfallfreien weiteren Aufenthalt. Das sollte gelingen, wenn man Brittas Trinkwasser-Übersetzung verwendet (anstatt ersatzweise Wodka zu sich zu nehmen).

    Liebe Grüße aus dem ergrünenden Sachsen-Anhalt

  7. Sibylle+Falko sagt:

    Hallo, Ihr beiden Baikalstuermer,
    Eure Reiseberichte sind immer sehr spannend zu lesen. Ein Glueck, dass nicht die rechte Hand verletzt wurde und Jens fleissig weiterschreiben kann. Gute Besserung und weiterhin viel Glueck mit allen Aemtern und Behoerden!
    Liebe Gruesse aus dem fast 20´C warmen Berlin v. Sibylle+Falko

  8. Hallo
    kenne die Russische Bürokratie nur zu Gute. Hab es aber trotzdem geschafft, das Land 2x von Kasakhstan her Richtung Europa zu durchfahren. Wünsch Euch weiterhin alles Gute

    Grüsse aus Banja Luka (Bosnien Herzegovina)

  9. mensch, wenn ich den schnee sehe krieg ich sehr große lust im norden zu übersommern! hier hält man es ja im kopf nich aus ;-)

    liebe grüße an euch!

  10. Korrektur: Russland IST das größte Land der Erde. ;)

    Gute Besserung der Hand.

  11. Die ganze Welt – ausser Russland – hat Buddy Holly geliebt!

  12. wah, der bericht mit der hand ist aber böse.armer jens :(
    gute besserung und lass dich von uli gut pflegen. ich drücke euch beide :x

  13. tünde&steff sagt:

    hi ihr zwei,
    wir sind ösis und fahren am 3.juni auf unsere ca. einjährige weltreise los … wir starten in krakau und fahren dann in den norden und mit der transib dann bis am baikalsee. seid ihr noch gegen juli/august noch dort? könnt ihr uns ev. ljena empfehlen? könnt ihr mich ev. mailtechnisch anschreiben, damit wir besser in kontakt sind? tollen aufenthalt noch, lg tünde ps: den kontakt habe ich von nora roch :-)

  14. Annemarie sagt:

    was sind denn bloß “Omaausflüge”?
    Eure Berichte werden immer spannender, aber man muss sich ja nicht gleich die Hand verletzen, um es noch aufregender zu machen….Gute Besserung!

  15. Hallo struwel und ulli
    allerliebste gruesse noch immer aus vietnam von clemens und nancy wir werden noch den monat hier verbringen und dann uns auf den weg in die mongolei vorraussichtlich machen da wollten wir doch zusammen reiten danach wollen wir nach jakutien in mittelsibirien und kommen euch am weg besuchen. viel spass im schnee wir sitzen noch immer in der sonne wir schicken euch warme gruesse bis dahin erstmal alles liebe