Rad fahren in Neuseeland (I) – Der Linksverkehr

Rad fahren

Neuseeland ist ein Linksfahrland, was natuerlich auch fuer Radfahrer gilt. Auf der linken Seite zu fahren ist zunaechst recht ungewoehnlich. Da jedoch meist genuegend Autos vorhanden sind, an denen die eigene Fahrtrichtung ueberprueft werden kann, kommt man kaum in Versuchung die rechte Strassenseite zu benutzen, und das Linksfahren wird schnell vertraut.

Rad fahren Rad fahren 

Spannender als das richtige Linksfahren sind die vielen Kreisverkehre oder auch mehrspurige Kreuzungen. Hier ist es immer recht raetselhaft, welche Spur nun genau zu benutzen ist. Erfolgreich ist, wer nicht von Autos ausgehupt wurde.

Beim schwierigeren Rechtsabbiegen blockiert man besser die ganze Fahrspur, indem man exakt mittig faehrt, da die einmal angefahrene Autowarteschlange gnadenlos niemanden mehr zu keiner Seite vorbeilaesst. Das ist etwas gemein, weil der neuseelaendische Autofahrer normalerweise Radfahrer nicht als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer ansieht und sich moeglicherweise ueber die blockierte Spur aergert.

Zu Fuss gehen

Im Gegensatz zum Rad oder Auto fahren benoetigt man als Fussgaenger uebrigens wesentlich mehr Konzentration, um beim Ueberqueren der Strassen die Autos in der jeweils richtigen Richtung zu beobachten. Es gilt erst nach rechts und dann nach links zu sehen, was man formelhaft vor jeder Strassenkreuzung vor sich herbeten sollte, um es auch wirklich richtig zu machen.

zu Fuss gehen zu Fuss gehen

Auf den Buergerinnen- und Buergersteigen tendiert man ebenso links. Oft vergisst man das Linksgehen aber und geraet in diese lustigen Situationen, bei denen die jeweiligen Gegenueber gleichzeitig versuchen sich auszuweichen, was meistens dazu fuehrt, dass beide eine Zeitlang vergeblich auf der Stelle trampeln.

Auto fahren

Als Autofahrer muss man sich doppelt - an das Fahren auf der linken Spur und an verkehrt angeordnete Autos - umgewoehnen. Waehrend das Fahren auf der linken Spur analog zum Rad fahren problemlos funktioniert und auch sehr viel Spass bereitet, stellt die seitenverkehrte Inneneinrichtung immer wieder neue Herausforderungen.

Auto fahren Auto fahren

Das richtige Einsteigen (beide: Fahrer und Beifahrer) misslingt mit hoher Wahrscheinlichkeit wiederkehrend auch nach langer Eingewoehungszeit.

Bei Rechtslenkern sind Blinker und Scheibenwischer vertauscht. Es ist nicht moeglich mehr als dreimal abzubiegen, ohne dabei mindestens einmal den Scheibenwischer aktiviert zu haben. Scheinbar ist das Blinken mehr als alles andere ein dem Autofahrer zutiefst eingewurzelter Ablauf.

Beim Rueckwaertsfahren dreht man sich als Fahrer automatisch in die falsche Richtung und laeuft so Gefahr sich zu verknoten.

Die Schaltung ist links vom Fahrersitz angebracht. Die Fusspedale sind dagegen wie bei Linkslenkern ueblich angeordnet. Beides verursacht ausser einem neuen Fahrgefuehl keine sonderlichen Probleme. Man sollte aber aufpassen, nicht den ersten Gang mit dem Rueckwaertsgang zu verwechseln, falls dieser oben rechts angelegt ist.

In Notsituationen – etwa beim Heranfahren bei Gegenverkehr auf zu engen Strassen – ist man als Fahrer sehr stark seinem Instinkt ausgesetzt und moechte gerne an den rechten Rand navigieren. Hier ist ein Beifahrer hilfreich, der um nuetzliche Hinweise zu den verschiedenen Verkehrssituationen nie verlegen ist.

 

6 Kommentare to “Rad fahren in Neuseeland (I) – Der Linksverkehr”


  1. Köstlich geschrieben. Wo genau seid Ihr gerade? Ich habe solche Situationen mit Rad, Fuss und Auto in England erlebt. Nach gut 2 Wochen war es immer noch ein sehr komisches Gefühl. Am besten ist sich einen Automatic Wagen zu organisieren um nicht auf das Schalten achten zu müssen.

  2. http://outdoors.mainetoday.com/trailhead/Look.JPG

  3. Hallo ihr Beiden,

    die Situation mit den herumspringenden fußgngern hab ich aus Irland noch gut in Erinnerung. Die Frau beendete dieses merkwürdig anmutende Spiel mit ein grinsenden “shall we dance?” :) .

  4. Heide, Alex & Fräulein F. sagt:

    Na dann hoffen wir mal, Ihr habt am 3. September an die armen Schweden und ihren “Dagen H” gedacht. Das muss ein Chaos gewesen sein ;-)

  5. Wobei (*grübel*), es war gut geplant:

    “Zur Vorbereitung wurde eine 30-seitige Broschüre an alle Haushalte verteilt. Zuständig für die Seitenumstellung war die „Staatliche Rechtsverkehrkomission“ (Statens Högertrafikkomission (HTK)). Vier Stunden vor der Umstellung und eine Stunde danach war jeglicher privater Autoverkehr untersagt – in einigen Städten sogar für 24 Stunden. In dieser Zeit wurden alle Verkehrszeichen auf Rechtsverkehr umgesetzt. Dabei halfen auch abkommandierte Soldaten mit. Danach wurde die Höchstgeschwindigkeit auf 10 km/h begrenzt. Im Laufe eines Monats wurde die Höchstgeschwindigkeit allmählich auf normales Niveau angehoben.”

    Vielleicht kann ja mal ein alter Schwede was zu seinen Erfahrungen sagen …

  6. hallo heide, alex und frl. f,

    davon höre ich zum ersten mal und habe mich über google mal informiert: die schweden sind ja tatsächlich auch links gefahren!

    mal sehen, wann die briten endlich reif dafür sind…